Nachdem das alles geklärt war, konnte es am 20.12. losgehen. Zunächst schleppten wir unsere etwa 40 kg Gepäck (jeder!) zum 20:30 Bus am Dresdner Hauptbahnhof. Da denkt man dann, das es sofort losgeht, aber nein - ein zugefrorenes Rohr hält uns erst mal ein Stunde auf. Dann stehen wir noch eine Stunde in Zinnwald und warten in Prag etwa 3 Stunden uaf eine andere Gruppe, die den bis dahin leeren Bus vollkommen überfüllt. Zwei Passagiere mußten sich sogar einen Stehplatz und einen "Liegeplatz" teilen. An der slowakisch-ungarischen Grenze müssen wir erst mal unser ganzes Gepäck ausladen und - nachdem der Grenzer nur mal ganz kurz in den Frachtraum geguckt hat dürfen wir wieder einladen. Wir haben inzwischen 6 Stunden Verspätung und rufen einen Freund in Sofia an, der uns dort in Empfang nehmen wird. An der serbisch-bulgarischen Grenze dann etwas köstliches: der serbische Grenzer betritt den Bus, ruft nur kurz "Passports", zückt seinen Stempel wie einst d'Artagnang den Degen und dann stempelt er innerhalb von nur wenigen Minuten alle 60 Pässe. Trotzt dessen liegen wir nach dem bulgarischen Grenzer 12 Stunden hinter dem Plan. Sonntag 12 Uhr sind wir dann endlich am Sofioter Hauptbahnhof, wo uns Willy in Empfang nimmt. Abends gehen wir noch für etwa 20 Mark essen, der Witz dabei - wir essen zu fünft.
Am Montag bringt uns Willy zum Bus nach Samokov, der jede halbe Stunde fährt. Von dort kommt man mit dem Taxi (Preis vorher aushandeln) direkt oder mit dem Linienbus über Govedarci, dort umsteigen, zum Maljowiza-Komplex. Wir sind inzwischen nicht mehr allein, Tanja und Sergej, die auch zur M.-Hütte wollen, haben sich um den "Minibus" gekümmert. Wir schleppen uns dann im warsten Sinne des Wortes zu nur eine Wegstunde entfernten M.-Hütte. Unterwegs begegnet uns noch ein netter Herr mit Töchterchen und gibt uns nützliche Ratschläge. Nebenbei sickert noch durch, daß wir einen "8000er" vor uns haben (Dhaulagiri, 1996). Noch ein halbes Stündchen und wir stehen vor der 2050 m hoch gelegenen Maljowiza-Hütte, die nun fünf Gäste hat. Die hygenischen Bedingungen sind zwar miserabel, aber wir haben bei -10 Grad Außentemperatur ein Dach über dem Kopf und eine elektrische Heizung. Muß man noch erwähnen, daß Selbstverorgung angesagt ist?.
Der nächste Morgen zeigt uns das M.-Tal mit recht wenig Schnee, was sich dann aber innerhalb von Stunden ändert. Gegen 11 brechen wir in Richtung "BAK", einer etwa 2500 m hoch gelegenen Schutzhütte auf. Unterwegs treffen wir auf zwei Bulgaren, mit denen wir dann erst mal an einem 8..10 m hohen Eisfall klettern gehen, bevor wir dann gemeinsam weiter aufsteigen. Abends werden wir dann vom Hüttenwirt zu einem traditionellen bulgarischen Weihnachtsessen eingeladen. Es gibt nur vegetarische Kost, z.B. mit Weinlaub umwickelte Reisrouladen, süße Melonen und Käse. Damit es besser rutsch, wird gezuckerter und angewärmter Rakia (eigentlich ein Teufelszeug) ausgeschenkt. Mittlerweile hat mitten im Winter ein höllisches Gewitter eingesetzt, dessen Blitze das gesamte M.-Tal erhellen. Jan muß sich bei diesem Wetter vom Komplex nach oben arbeiten, wo er anrufen war. Der 1. Feiertag bringt uns noch mehr Schnee, so daß wir außer einem kurzen "Spaziergang" nicht viel unternehmen können. Auch am 26. sieht es nicht besser aus und wir beginnen, um überhaupt etwas zu tun, ein Iglu zu bauen. Nur damit kein falscher Eindruck entsteht, bei viel Neuschnee ist hier aufgrund der extrem hohen Lawinengefahr wirklich absolut nichts zu holen.
Aber am folgenden Tag schlagen wir zu. Das Wetter sieht gut aus, der Schnee hat sich etwas gesetzt und so brechen wir zur Maljowiza auf, wo wir uns die Nordostkante ansehen wollen. Bis zum Sattel unterhalb des Einstieges muß man schon mal ein bischen schwitzen. Wir legen hier die Eisen an und stehen dann eine halbe Stunde vor dem Einstieg und wissen nicht so richtig weiter. Nachdem wir uns dann aber doch irgendwie mit zwei Haken einen Standplatz gebastelt haben, geht's los. Um es kurz zu machen - für einen Weg, den man im Sommer in etwa 20 Minuten absteigt, benötigen wir als 3er-Seilschaft etwa 6 Stunden (!). Kurz vor dem Dunkelwerden stehen wir auf dem Gipfel, von dem wir über den Normalweg absteigen. Allerdings muß man hier wirklich jeder Markierungsstange folgen, da man sonst riskiert, auf einer Wächte 600 m nach unten abzugehen. Immerhin bringt uns dieser Tag neben dem Gipfelsieg noch eine heiße Dusche ein. Am kommenden Tag fährt Jan nach Sofia und Tilo und ich steigen zum BAK auf, von wo aus wir nach einer ausgiebigen Mittagspause auf den Sattel zwischen Orlowez und Slija Sb steigen und sich uns eine herrliche Sicht auf das Rila-Kloster öffnet. Tilo quert noch zur SO-Kante des "Bösen Zahns" und nimmt diese unter die Lupe. Der 29. beginnt mit recht gutem Wetter. Da über Nacht wieder 10 cm Schnee gefallen sind, streichen wir erst mal den Orlowez und steigen über das BAK und den Sattel zwischen Lowniza und Kamilata zum Rschdawiza-Hochplateau. Vom Sattel queren wir über einen idealen Lawinenhang (von dem das Zeug aber zum Glück ein paar Stunden vorher abgegangen ist) zum Goljam Kupen, wo wir gegen 13 Uhr in die linke Seite der Nordwand einsteigen. Aber schon nach 100 Höhenmetern müssen wir hinter eine Schneewehe Schutz suchen. Nach einer halben Stunde liegt die Sicht bei Null und so brechen wir ab und gelangen über den Euro-Wanderweg E4 (Pelepones-Rila-Alpen-Pyrinäen) wieder zur Hütte. Spät abends taucht dann Jan wieder mit einer Menge Leckereien auf, die nicht lange halten. 31.12. Sch... Wetter, die Sicht liegt unter 200 m und es weht ein "viehischer" Wind. Wir bleiben also bis Mittag in den Schlafsäcken und beschließen dann, uns nochmal den Eisfall anzusehen. Auf dem Weg dorthin brechen wir schon nach wenigen Metern immer wieder hüfttief ein. Nach einer reichlichen Stunde haben wir es dann aber doch geschafft und lassen unsere Rucksäcke hinter einem großen Stein fallen. Währen Tilo noch sein Zeug rauskramt stiefele ich schon mal den kleine Hang unterhalb des Falls hoch. Nach 15 Metern geht's nicht mehr so richtig weiter, ich stecke wieder bis zur Hüfte im Schnee und nach zwei Schritten nach rechts spüre ich, wie sich unter mir etwas tut. Ich kann gerade noch "Lawine" rufen und ab geht's. Irgendwie ist die Sache aber recht günstig gelaufen, denn Sekundenbruchteile nachdem ich unter dem Schnee liege, höre ich Tilo rufen, wälze mich nach rechts und liege hinter den Stein in Sicherheit. Abends liefern wir uns dann noch mit den Kindern des Hüttenwirtes eine kleine Schneeballschlacht und schwatzen mit ein paar Bulgaren, die inzwischen die Hütte immer mehr bevölkern. Da wir nichts riskieren wollen, sind wir am folgenden Tag einfach mal Wandern gegangen. Vom Komplex folgen wir einfach dem Weg zur Hütte "Ivan Vasov". Jan kehrt nach geraumer Zeit um, da er sich nicht besonders gut fühlt, aber Tilo und ich kommen auch nicht viel weiter - man steigt ewig lang einen Kamm zwischen Bäumen auf und bekommt einfach keine Sicht auf die daneben liegenden Täler. Da heute sowieso Silvester ist, fehlt auch die Motivation ein bischen. An der Hütte erwartet uns eine überaschung - sie ist mit 50 Gästen fast vollständig belegt. Wir kriechen erst mal in die Schlafsäcke. Tilo und Jan lassen sich gegen 23 Uhr wecken, um an der inzwischen angelaufenen Party teilzuhaben, ich schlafe einfach weiter. ...
1. Januar, man sollte meinen, alles wiegt sich im tiefsten Schlaf und versucht die Unmassen von Alkohol verdunsten zu lassen, aber nein, Tilo und ich sind nicht die ersten, die sich auf den Weg gemacht haben. Wir folgen bis zum BAK den Spuren. Dort habe ich eine Begegnung der dritten Art - drei ältere Herrschaften mit nach unseren Begriffen vollkommen unzureichender Ausrüstung (ich schätze, die drei hatten nicht mal 'ne Thermoskanne voll Tee dabei) ziehen an mir vorbei und steuern zielstrebig auf den Einstieg zur Westflanke der Lowniza zu. Da Tilo inzwischen auf dem Sattel zwischen Orlowez und Slija Sb steht um den Orlowez von Süden her anzugehen, laufe ich den dreien hinterher und habe sie bald eingeholt. Vom Sattel aus kann der Anführer seine zwei Nachfolger irgendwie nicht mehr so richtig motivieren und so kehren sie um. Ich steige weiter auf und stehe nach circa 30 Minuten, zur selben Zeit wie Tilo auf dem Gipfel. Nach dem Genuß des herrlichen Panoramas steigen wir gleichzeitig ab und treffen uns wieder am BAK. Während Tilo auch noch zur Lowniza aufsteigt, gehe ich schon nach unten, wo mir auf halbem Wege Jan entgegenkommt. Der steigt dann auch noch auf die Lowniza und Tilo geht Gipfel sammeln und nimmt das Kamel (Kamilata) noch mit. Der 2. ist unser letzter Tag und wir wollen eigentlich etwas gemeinsam unternehmen, aber Jan wird immer noch von leichtem Fieber gebeutelt, so steigen Tilo und ich noch einmal zum Goljam Kupen um unser Glück erneut zu versuchen. Siehe da, nachdem wir über einen recht "heißen" Hang auf die Ostseite gequert sind, spurt Tilo durch eine Rinne einen Weg nach oben und 45 Minuten später stehen wir auf dem Gipfel, der, wie schon so oft mal wieder vollständig in Wolken gehüllt ist. Da wir 'eh nicht viel sehen, halten wir uns gar nicht lange auf und steigen über den Ostkamm ab. Dabei überqueren wir noch die "Popova Kapa", von wo aus wir sogar den Mussala sehr schön zu sehen bekommen. Von hier aus führt uns dann wieder der Wanderweg E4 zur Hütte. Noch am Abend packen wir zusammen, um am Freitag schnell starten zu können.
Am 3. läuft alles wie geschmiert. Wir stehen gegen 5 auf, starten gegen 6 und steigen ohne Hast nach 1.5 Stunden am Komplex in den Bus nach Govedarci. Dort haben wir bequem Zeit, das Gepäck in den Bus nach Samokov umzuladen, wo wir wiederum ohne Hast in den Bus nach Sofia wechseln. Hier stellen wir dann unser Gepäck bei Jan's Freunden unter und sehen uns die Stadt und das Nationalmuseum noch etwas an. Den Dresdner Bus erreichen wir am nächsten Morgen ohne Probleme. Wir starten auch hier schon wieder mit einer halben Stunde Verspätung (technische Probleme) aber so richtig schlimm wird es erst an der bulgarischen Grenzstelle. Wir warten hier 3.5 Stunden auf unsere Abfertigung. Es stehen zwar noch drei Busse vor uns, aber ich habe mal dem bulgarischen Grenzer etwas auf die Finger geschaut - man arbeitet sich hier gewißlich nicht tot, im Gegenteil. Das bulgarische Innenministerium täte gut daran, seine Beamten mal etwas anzuspornen. Der Rest der Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle und in Dresden kommen wir gegen 18 Uhr an.
Alles in allem ein herrlicher Urlaub. Bergsteigerisch zwar nicht so richtig erfolgreich, aber trotzdem - einfachh schhhhhön.
Deutschsprachiges Führermaterial und neue Karten sind in Arbeit.
Bilder folgen.
Wer mehr wissen will, kann sich immer an mich wenden.
P.S.: Seit März 1997 braucht man für Bulgarien kein Visum mehr.